von
Christian Burghart

Teilnehmer:
Andy Uhrmann, Hermann Köstlmeier, Josef Köck, Karin Köck, Christian Winter, Manuela Winter, Bernhard Perl, Susi Schmid, Simon Perl, Tobias Burghart, Christian Burghart, Michaela Burghart, Ruzenka Limova, Harald Haase

Reisezeit:
27. März – 12. April 2015

Traumhafte Tauchgänge vor traumhaften malaysischen Inseln

Woidtaucher erkunden zwei fast unbekannte Inseln im Südchinesischen Meer

Unser Tauchguide Robinhood Demowal hatte nicht übertrieben, als er uns vor den Drückerfischen gewarnt hatte: Am Tauchplatz „Moonraker“ wurden wir von zwei Titan-Drückerfischen angegriffen, in deren Revier, das trichterförmig um den Ablegeplatz ihrer Eier geht, wir versehentlich geraten waren. Ihre Angriffe, die wir mit den Flossen abwehren mussten, hörten erst auf, nachdem wir den Rückzug angetreten hatten. Ansonsten war aber auch dieser Tauchplatz Genuss pur: meterhohe Korallen in den verschiedensten Farben und Formen zusammen mit riesigen Schwärmen von Füssilieren, Süßlippen und zahllosen anderen Tropenfischen.

Auch der nächste Tauchplatz, Tokong Talang, den Robinhood als einen der fünf besten an der Ostküste Westmalaysias anpreiste, ließ uns staunen. Nach anstrengenden Anfangsminuten gegen die Strömung durch bizarre Korallenlandschaften, blieb uns an der Riffkante, an der sich die Strömung teilt, sprichwörtlich der Mund offen. Zahllose Fischschwärme der verschiedensten Arten mit Abertausenden von Fischen verdunkelten die Sicht, man sah vor lauter Fischen sogar die Korallengärten und –türme nicht mehr. Zweifellos mit der beeindruckendste Ort, den wir je betaucht hatten.

Robinhood Demowal, der seinen ungewöhnlichen Vornamen einem absichtlichen Schreibfehler des bei seiner Geburt anwesenden Arztes verdankt, stammt aus der kleinen Stadt Lahad Datu in der ostmalaysischen Provinz Sabah. Seiner Aussage nach leben in dieser Gegend auch heute noch viele Nachkommen von Piraten. Wie hat es aber jemanden wie Robinhood von dieser etwa 1700 Kilometer entfernten Gegend, auf die kleine Insel Tenggol verschlagen? Vor 17 Jahren lernte er auf der Insel Tioman das Tauchen, jobbte dann auf den Inseln Tenggol und Redang um schließlich in Kuala Lumpur als Qualitätsmanager zu arbeiten. Diese Arbeit hing er vor sechs Jahren an den Nagel und lebt seither seinen Lebenstraum als Leiter einer Tauchbasis auf einer der allerletzten ursprünglichen Inseln Malaysias, fernab von Massentourismus und Hektik.

Die zwei Kilometer lange Insel „Pulau Tenggol“ ist eine wahre Trauminsel im Südchinesischen Meer und wirkt wie aus einem Robinson Crusoe Film. Es gibt nur einen 300 Meterlangen Strand und die einzigen zwei kleinen Resorts sind, geduckt unter Palmen und vor dem steil aufsteigenden Dschungel kaum sichtbar. Etwa dreißig Europäer verirren sich pro Jahr auf diese kleine Insel und während unseres Aufenthaltes waren neben uns 14 Woidtauchern nur etwa zehn asiatische Gäste auf der ganzen Insel. Robinhood zeigte sich demgemäß recht überrascht, wie wir „seine“ kleine Insel überhaupt gefunden hatten – für ihn das letzte Paradies auf Malaysia. Und auch die Anreise ist ja nicht ganz einfach: Nach Flügen von Prag über Istanbul und Kuala Lumpur nach Kuala Terengganu braucht man noch einen einstündigen Bustransfer nach Dungun und eine einstündige Überfahrt mit dem Speedboot, bis man nach über 27 Stunden an diesem Ziel angekommen ist.

Nach fünf Nächten auf dieser „Barfuß-Insel“ ging es mit dem Speedboot zum hundert Kilometer nördlicher gelegenen Inselchen Lang Tengah. Türkisfarbenes Wasser und ein schneeweißer Strand vor dem in den Dschungel eingebetteten Hotel ließen bereits bei der Anfahrt Karibik-Feeling aufkommen. Das Summer Bay Resort – eines von nur drei Hotels auf Lang Tengah – wurde vor zwei Jahren grundlegend renoviert und bietet nun neben einer Top-Ausstattung mit zwei Bädern pro Zimmer einen riesigen Pool.

Saw aus Burma, der seit sechs Jahren die angeschlossene Tauchbasis leitet, hatte vor allem auch deswegen mit uns viel Spaß, da er aufgrund unseres Ausbildungsstandes auch endlich einmal wieder schwierigere und weiter entfernt liegende Tauchplätze anfahren konnte. Seiner Aussage nach waren wir die ersten Deutschen, die je auf seiner Tauchbasis tauchten. Absolutes Highlight und für die meisten ein sensationelles Taucherlebnis war das zwanzig Kilometer vor der Küste liegende „Ghost Wreck“. Schon beim Abtauchen kreuzten wir eine Barrakuda-Schule mit mehreren hundert Tieren. Auf dem Wrack angekommen wurde es richtig dunkel, da man aufgrund von zig Fischschwärmen mit abertausenden von Fischen kaum mehr etwas sah. Neben Fledermausfischen , Steinfischen und Drachenköpfen waren hier die vielen Bambus-Haie ein faszinierender Anblick. Mehr als 25 dieser über einen Meter langen Haiart hatten sich unter einer abgebrochenen Bordwand versteckt und schauten uns neugierig-grimmig an. Beim Austauchen konnten wir uns dann noch von Putzerfischen Finger und Hals sauber machen lassen. Auch die weiteren Tauchplätze waren außergewöhnlich: große Fischschwärme am Wrack „Fish Heaven“ oder faszinierende, riesige Korallenformationen mit vielen Anemonenfischen im „Coral Garden“. Neben dem Tauchen gefielen auch die Dschungelwanderung oder die traumhaften Sonnenuntergänge, so dass der Abschied, zu dem sich die ganze Belegschaft am Jetty versammelte, sehr schwer fiel.

Der krasse Gegensatz erwartete uns dann nach dem Rückflug in Kuala Lumpur: Hektik und Lärm in einer überraschend modernen Großstadt. Neben den Petronas Twin Towers, die einst mit 452 Metern das größte Gebäude der Welt waren, ist auch der 421 Meter hohe Fernsehturm eine Liftfahrt wert. Neben dem weltgrößten Vogelpark, einem Schmetterlingspark und dem modernen Nationalmuseum waren vor allem die Batu Caves ein etwas anderes Ausflugsziel. Zu diesem hinduistischen Tempel in einer Höhle am Rande von Kuala Lumpur, der über 272 Stufen an einer 42 Meter hohen Statue vorbei erreicht werden kann, pilgern an hinduistischen Feiertagen bis zu einer Million Menschen. Die angrenzende Forschungshöhle ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Nur mit einer kleinen Taschenlampe bewaffnet klettert man eine knappe Stunde durch die Höhle, in der sich hunderttausende Fledermäuse, tellergroße Spinnen und große Würgeschlangen aufhalten. Insgesamt erwies sich Kuala Lumpur als brodelnde Metropole in Aufbruchstimmung.

Für die 14 Woidtaucher werden aber die beiden abgelegenen Trauminseln mit den wunderschönen und fast unbekannten Tauchplätzen taucherische Erlebnisse und Landschaften der Extraklasse bleiben.