von
Claudia, Isabella und Josef Grimm

Teilnehmer
Grimm Isabella CMAS **** 600 Tauchgänge
Grimm Josef TL4 1600 Tauchgänge
Grimm Claudia CMAS** 250 Tauchgänge

Olympos Kadir’s Tree Houses

Die Idee einen Tauchurlaub in die Türkei zu unternehmen, entstand auf etwas unkonventionelle Weise. Wie alle Jahre, so präsentierte sich der VIT auch dieses Jahr mit einem Informationsstand auf der Messe Free in München. Im Verlauf des letzten Messewochenendes stellte sich Hr. Kadir, der Besitzer des Kadir´s Tree Houses und des Olympos Diving Centers, so wie sein Basenleiter Metin Yilnaz auf unserem Stand vor. Hr. Kadir war auf der Suche nach einem kompetenten Partner und war sich sicher diesen im VIT gefunden zu haben. Kurzerhand lud Hr. Kadir einen Vertreter des VIT zu sich nach Olympos ein, um die Örtlichkeit, sowie die Tauchbasis als auch einige Tauchplätze vor Ort in Augenschein nehmen zu können. Da weder unsere Präsidentin, noch unsere Vizepräsidenten zum momentanen Zeitpunkt die Möglichkeit hatten diese Reise in die Türkei anzutreten, stellte ich mich zur Verfügung.

Nach einigen Emails und Telefonaten, in denen wir die Einzelheiten abklärten, machten wir uns am 12.Mai 2012 auf den Weg. Während eines etwa 4 Stunden dauernden problemlosen Flugs mir Air Berlin erreichten wir planmäßig den Flughafen von Antalya. Nachdem wir die Einreiseformalitäten hinter uns gebracht hatten, wurden wir bereits von Sarp Tuncer, einem Tauchlehrer der Tauchbasis erwartet und herzlich begrüßt. In einer etwa 90 minütigen Fahrt erreichten wir das Kadir’s Tree Houses, welche sich in der etwa 80 km südlich von Antalya liegenden Ortschaft Olympos bei Kemer befinden.

Die Landschaft um Olympos ist bäuerlich geprägt und Landwirtschaft ist ein Haupterwerbszweig der Einwohner. Gemüse wie Paprika, Tomaten und Zucchini werden hauptsächlich in Glashäusern angebaut. es gibt noch große Orangen- und Zitrusgärten, sowie Granatapfelplantagen. Noch ist Massentourismus hier ein Fremdwort, dafür findet man wunderschöne Landschaften, Sandstrände, sowie kleine türkische Restaurant und Pensionen, die ihre Gäste noch verwöhnen.

Am Fuße des Taurusgebirges, umgeben von einigen der schönsten Küsten der Türkei, alten Ruinen und Naturschutzgebieten liegt das „Kadir’s Tree House“, Das Original!!! Ein Guesthouse, das von außen wie ein Fort wirkt, eine Mischung aus Wild West Romantik-Kuschel Flower Power und „wie finde ich zu mir selbst“. Holzzaun, Holzhäuser, das älteste Baumhausdorf von Olympos. Von dieser einmaligen und individuellen Herberge werden alljährlich Tausende Backpacker und Weltenbummler aus aller Herren Länder und Nationen angezogen. Zur Auswahl stehen 3 Arten von Unterkünften : Baumhaus, Schlafsaal oder Bungalow mit eigenem Bad. Täglich wird für alle Gäste ein Frühstücks- und Abendbuffet serviert, das hauptsächlich aus vegetarischen Gerichten besteht. Was tagsüber friedlich vor sich hindämmert wandelt sich abends zum heißen Partyspot, denn hier wird bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Mit professionellen Guides werden Aktivitäten wie Canyoning, Rafting, Mountainbiken, Klettern, Angeln, Tauchen u.v.m. angeboten, oder man entspannt einfach nur auf Olympos‘ schönen Strand.

Mit dem Badetuch über der Schulter führte uns der Weg vom Kadir’s zu dem 1 km entfernten Strand durch die alte Ruinenstadt Olympos. Die antike Hafenstadt liegt an den Ufern des Flusslaufes Akdere, der hier ins Meer mündet. Bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. gegründet, liegen die stark verfallenen Ruinen verborgen im Wald, überwuchert von Lorbeer, Feigen und der üppigen Vegetation. Wenige Wege führten durchs Gestrüpp und wir konnten noch Badehäuser, Tempel, zahlreiche Grabdenkmäler und einen 2.000 Jahre alten Mosaikboden erkennen. Nach so viel Kultur lud uns die malerische Bucht und der lange Kieselstrand zu einem erfrischenden Bad ein. Schöner kann ein Weg zum Strand nicht sein.

Einen Tagesausflug wert ist der Besuch der legendären „Versunkenen Stadt“. Begleitet von unserem Tauchguide Sarp Tuncer erreichten wir in einer 2stündigen Autofahrt der Küstenstraße entlang, von Olympos über Finike nach Ücagiz , das Gebiet „Kekova“. Alle Völker der Geschichte haben hier ihre Spuren hinterlassen. Bei einer ausgedehnten Bootstour, erkundeten wir die Gegend. Die antike Stadt Appolonia versank im 2. Jahrhundert n. Chr. bei einem Erdbeben in den Fluten des Meeres. Säulen, Sarkophage und Reste alter Hafenanlagen liegen nur knapp unter der Oberfläche des kristallklaren Wassers. Von gut erkennbaren Hausresten am Ufer führen in den Fels gehauene Treppenstufen hinab ins Meer. Auf der gegenüberliegenden Halbinsel Sicak liegt das antike Simena, auf deren Hügeln große Steingräber stehen und eine Burg aus dem Mittelalter thront. Die Region wurde zu einem Spezialschutzgebiet erklärt, um den natürlichen und kulturellen Reichtum zu erhalten. Tauchen und Schnorcheln ist hier strengstens verboten, da früher viele wertvolle Kunststücke geraubt wurden. Die faszinierenden Über- und Unterwasserlandschaften garantierten ein bleibendes Erlebnis.

Auf der Fahrt zur versunkenen Stadt legten wir einen Zwischenstopp in Demre (früher Myra) ein, der Heimat und Wirkstätte des heiligen Bischofs Nikolaus von Myra. In dem Wallfahrtsort kann man die Basilika des Nikolaus aus dem 6. und 8. Jahrhundert besichtigen. Ausgegraben wurde sie erst im 18.-19. Jahrhundert aus dem Schlamm des Demreflusses. Hier steht nur noch der Rankensarkophag des Bischofs, denn seine Gebeine wurden 1087 von süditalienischen Kaufleuten geraubt und nach Bari gebracht. Die Nikolausstiftung fordert bis heute die Reliquien des Heiligen zurück. Bei einem typisch türkischen Abendessen ließen wir den Tag ausklingen.

Zu einem seltenen, jahrtausendalten Naturphänomen lohnt es sich einen nächtlichen Ausflug zu machen. Nur 3,5 km von Olympos entfernt, in einer Höhe von 250 m, liegt Yanartas (türkisch: brennender Stein), der Ort des ewigen Feuers. Mit einer Taschenlampe bewaffnet versuchten wir im Dunkeln unsern Weg über eine steinerne Treppe zu finden. Nach ca. 30 min erreichten wir die nie verlöschenden Feuer der „Chimera“, einem Wesen der Mythologie. Der Anblick der Flammen, die aus kleinen Öffnungen, Rissen und Spalten im felsigen Abhang züngeln, belohnten für den schweißtreibenden Aufstieg. Die Feuer brennen schon seit mehreren tausend Jahren. Zusammensetzung und Austrittsstellen des Gases wechseln je nach Jahreszeit und Jahrhundert, doch besteht es hauptsächlich aus Methan.

Die Tauchbasis „Olympos Diving Center“ befindet sich in Adrasan, ca. 8 km südwestlich von Olympos. Mit den erfahrenen Tauchlehrern Metin Yilnaz und Sarp Tuncer erkundeten wir die Tauchplätze rund um Adrasan von einem Tauchboot aus. Die Unterwasserwelt hat hier typischen Mittelmeercharakter. Wer hier Unmengen an Fisch erwartet ist hier nicht ganz richtig. Doch der felsige Boden bietet Bärenkrebs, Muränen, Drachenkopf und Zackenbarschen Lebensraum. Die Tauchgebiete sind Zeugen von früheren Schiffskatastrophen, den man findet noch Amphoren, Scherben und Wrackteile. Zudem gibt es zahlreiche Höhlen, durchlöcherte Felswände, Canyons und Steilwände.

Besonders schön fanden wir „Yarasali“ (Die Fledermaushöhle), eine Steilwand die senkrecht bis auf 50 m abfällt und in deren Wand sich in 10 m Tiefe ein großes Loch befindet. Der Einstieg zur Fledermaushöhle. Er bohrt sich 15 m weit in den Fels und nach einem Knick folgt ein 30 m langer Tunnel. In 5 m Tiefe öffnet sich der Tunnel in eine Höhle, in der man überall auftauchen kann. Hier findet sich auch der Grund, warum der Tauchplatz so heißt, die an der Decke hängenden Fledermäuse. Durch einen Spalt taucht oder schnorchelt man wieder ans Tageslicht.

„Pirasali“ (Die Lauchinsel), deren Namen vom wild wachsenden Lauch auf ihr herrührt, ist der Bucht von Adrasan vorgelagert. Ein idealer Platz zum Steilwand- und Strömungstauchen. An der Nordseite der Insel ließen wir uns an der schön bewachsenen Steilwand hinab gleiten, bevor in 20 m der Eingang zu einer riesigen Grotte erschien. Die Wände sind fantastisch mit niederen Tieren bewachsen und es fanden sich viele Garnelen und Bärenkrebse. Auf dem Weg zur Oberfläche konnten wir in den Spalten der Wand Muränen und Octopusse bewundern.

„Hacivat“ ein spitzer Felsen. Der Tauchgang beginnt im flachen Wasser direkt auf einen Canyon zu, dessen Wände mit roten Schwämmen bewachsen sind. Der Grund fällt hier leicht ab und man sieht viele antike Relikte aus vergangener Zeit. An der Außenseite geht das Riff in eine Steilwand über, die bis 40 m abfällt.

Bei einigen Tauchgängen jonnten wir hauptsächlich im Flachbereich Flötenfische, Kofferische und eine Abart der Papageienfische antreffen, welche laut Aussagen unserer Tauchguides, durch den Suez Kanal ins Mittelmeer immigrierten und nun auf Grund der ansteigenden Wassertemperaturen auch im südlichen Teil des Mittelmeers heimisch sind.

Fazit:
Die historische Kulisse, die typische türkische Gastfreundschaft war Garant für eine rundum entspannte Woche mit gelungenem Taucherlebnis und Erholung. Wir lernten Land, Leute und Landschaft Über- sowie Unterwasser kennen.

Auf diesem Wege möchten wir uns nochmals für die Einladung, sowie für die herzliche und familiäre Gastfreundschaft bei Hr. Kadir, sowie bei allen Mitarbeitern die dies ermöglichten, bedanken.