von
Christian Burghart und Josef Grimm

Teilnehmer
Grimm Sepp, Isabella, Claudia
Burghart Christian, Michaela, Tobias

Reisedatum
25.12.2009- 03.01.bzw. 08.01.2010
davon 5 Tage Tauchbootsafari

Reiseveranstalter
Beluga Reisen

Tauchsafari in Saudi-Arabien

Laut Tauchzeitschriften und Internet sollten sich Tauchurlauber in Saudi-Arabien als Reisepioniere in ein noch weitgehend unbekanntes Land fühlen und aus diesem Grund auch noch in den Genuss von kaum betauchten, einmalig schönen Unterwassergebieten kommen.

Diese Informationen führten dazu, dass wir Silvester 09/10 nicht in Kälte, Eis und Schnee verbringen sollten, sondern im warmen sonnigen Süden. Deshalb buchte Christian Anfang Februar 09 über Beluga Reisen unseren Tauchurlaub.

Das Königreich Saudi-Arabien liegt im nahen Osten auf der arabischen Halbinsel und grenzt im Norden an Jordanien, den Irak und Kuwait, im Osten an den Persischen Golf, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, im Süden an den Oman und den Jemen, im Westen an das Rote Meer. Die größte Stadt ist die Hauptstadt Riad gefolgt von Jeddah. Seit 2005 ist König Abdullah Ibn Abdel-Aziz Staatsoberhaupt des Königreichs Saudi Arabien. Staatsreligion ist der Islam und etwa 99% der Einwohner sind Moslems sunnitischer Ausprägung. Im Westen des Landes liegen die Städte Mekka und Medina, die Geburts- und Grabstätte des Propheten Mohammed. Mekka und Medina sind die zwei bedeutendsten heiligen Stätten des Islam, welche allerdings für Nicht-Moslems nicht zugänglich sind. Das islamische Recht, die Scharia, ist Grundlage für das gesamte Rechtswesen.

Der Großteil Saudi-Arabiens besteht aus Sand- und Steinwüsten. Nennenswerte Exportgüter sind Erdöl und Datteln. Ebenso verfügt das Land über Erdgas, Gold, Silber, Eisen und Zinn.

Vor der Reise nach Saudi-Arabien mussten noch einige Formalitäten erledigt werden. Man benötigt einen Reisepass ( auch Kinder ), in dem kein Stempel aus Israel sein darf. Weiterhin muss man ein Visum für 120 € pro Person beantragen. Sechs Wochen vor dem Abflug schickten wir die Reisepässe, sowie einen Antrag auf ein Einreisevisum, welcher vollständig und vor allem richtig ausgefüllt sein muss, per Einschreiben zur Visa Golf Agentur nach Berlin. Sehr kurzfristig (5 Tage vor der Abreise) erhielten wir die Pässe samt Visa wieder zurück.

Nachdem wir uns bereits im Internet informiert hatten, bekamen wir auch von unserem Reiseveranstalter ausführliche Informationen über unser Reiseziel:

Saudi-Arabien ist kein touristisches Reiseland. Es herrscht nur sehr eingeschränkter Auslandstourismus vorwiegend aus arabischen Nachbarländern.

Seit dem 01.01.1999 sind jedoch pro Jahr einige wenige Gruppenreisen mit Reiseleitung aus westlichen Ländern geduldet. Es bestehen Kleidungs- und Verhaltensvorschriften, die nach dem konservativen wahhabitischen Islamverständnis ausgelegt werden.

Die Einfuhr von Alkohol, Waffen und Schweinefleisch ist strengstens verboten.

Es drohen harte Strafen bei Einfuhr von natürlichen und künstlichen Drogen aller Art ( auch bei geringen Mengen kann die Todesstrafe drohen ) und pornografischen Materials ( jegliche Darstellung körperlicher Freizügigkeit, auch DVDs, CDs, Magazine ). Für Frauen ist in der

Öffentlichkeit eine Abaja, ein traditionelles islamisches schwarzes mantelartiges Übergewand, als Mindeststandard der Verhüllung zwingend vorgeschrieben. Ein Kopftuch ist in der heutigen Zeit nicht mehr unbedingt notwendig.

Somit begann unsere Reise nach Asien am 25.12. 09 um 4 Uhr frühmorgens mit der Fahrt im Auto nach Frankfurt.

Die Autos stellten wir bei einem vorab gebuchten Shuttleservice in einem Parkhaus unter. Mit Saudi-Arabien Airlines ging es im Direktflug in einer halbleeren Boing 777 nach Jeddah ( Saudi- Arabien ). Die Flugdauer betrug etwa 6 Stunden.

Mit 2 Stunden Zeitverschiebung und einiger Wartezeit bedingt durch die etwas länger dauernden Einreiseformalitäten, nahm uns danach sofort ein Mitarbeiter der „ Dream Divers“ ( unsere Tauchbasis vor Ort ) in Empfang.

Die Fahrt mit dem Bus ins 250 km südlich von Jeddah gelegenen Al Lith dauerte ca. 3 Stunden. Gegen 1 Uhr morgens erreichen wir total übermüdet unser Ziel.

Das Hotel Al Ahlam Resort ist nur für Taucher und einheimische Araber, die das Wochenende ( Donnerstag und Freitag ) dort verbringen ausgerichtet.

Das Resort liegt etwa 3-4 km von der Stadt Al Lith entfernt und ist sehr einsam und ruhig. Leider gibt es keinen Strand, nur eine Hafenanlage. Der herrliche Süßwasserswimmingpool ist groß und erfrischend, aber leider ohne Liegen. Daneben gibt es einen kleineren Whirlpool, sowie ein Planschbecken. Die Zimmer mit Klimaanlage sind groß und zweckmäßig eingerichtet. Der Frühstückraum bzw. „Speisesaal“ war in Ordnung, ist aber bei mehr als 10 Personen überfüllt, was allerdings selten vorkam. Es gibt keinen Kleiderzwang, Jogginghose und T-Shirt reichen vollkommen aus. Internet, Billiardtische und Tischtennis sind im Nebengebäude vorhanden und sind kostenlos zu nutzen.

Das Essen ( Vollpension, incl. Getränke außer alkoholfreies Bier ) war immer sehr gut und ausreichend. Das Personal (Inder, Philippinen,…) ist stets freundlich und gibt sich sehr viel Mühe. Leider hatten wir das Pech, dass es kurz vor unserer Ankunft geregnet hatte und es deshalb Myriaden an Stechmücken gab. Trotz der alltäglichen Einräucherung des „Petroleummanns“ waren die fiesen Stecher noch in mehr als ausreichender Zahl unterwegs.

Nach 2 Tagen im Resort gingen wir am Abend des dritten Tages an Bord unseres Safaribootes „Dream Master“.

Das Boot selbst ist nicht unbedingt als Tauchsafariboot geeignet, die Kabinen- und Raumverteilung ist nicht optimal, jedoch besitzen alle Räume Klimaanlage. Die Bordcrew musste an Deck oder im Salon „Speiseraum“ schlafen.

Nach dem Beziehen der Kabinen und dem Vorbereiten des Tauchequipments

( INT- Bügeladapter erforderlich ) verbrachten wir noch eine Nacht im Hafen.

Mit 18 Tauchern und 6 Crewmitgliedern an Bord starteten am nächsten Morgen gegen 6 Uhr die Motoren. Nach ca. 2,5 Stunden Fahrt hatten wir bereits den ersten Tauchplatz an den „Farasan Banks“ erreicht.

Die Farasan Banks bestehen aus einer weitläufigen Korallenbank und einer Vielzahl von Riffen und Inseln südlich von Al Lith. Sie liegen so etwa 1.000 km südlich von Hurghada und nur wenige hundert Kilometer vom indischen Ozean entfernt. Die Inseln sind meist mit feinem weißem Sand bedeckt und manchmal auch mit Mangroven bewachsen.

Täglich bestand die Möglichkeit drei Tauchgänge und einen Nachttauchgang zu absolvieren. Es wurden verschiedene Tauchplätze angefahren, bei denen meist die Möglichkeit bestand, dass auch unerfahrene Taucher den Tauchgang ihrem Leistungsstand entsprechend planen und durchführen konnten.

Die philippinische Crew war sehr hilfsbereit und das Tauchen klappte reibungslos. Das Essen an Bord war hervorragend.

Die Riffe, meist Steilwände, wirken absolut unberührt und sind sehr schön bewachsen. Die Hartkorallen waren nicht nur prächtig, sondern oft mit Weichkorallen und Schwämmen bewachsen, wie es vor 30 Jahren in Ägypten der Fall war.

Allerdings waren kaum Großfische und nur sehr wenige wirklich große Fischschwärme zu bestaunen. Die Highlights der Woche waren mehrmals Büffelkopfpapageienfische, vereinzelt Weißspitzenriffhaie, sowie eine große Schule an Spinnerdelfinen. Mit Hilfe des Schlauchbootes konnten wir einige der Sandinseln ansteuern. Neben frischen Schildkrötenspuren entdeckten wir auch jede Menge frisch gebuddelte Nester, welchen wir allerdings nicht zu nahe kamen.

Es gab viele verschiedene Vogelarten wie Möwen, Tölpel, Laufreiher und sogar Adler, die am Strand brüteten.

Jedoch gab es aber auch reichlich angeschwemmten Müll.

Nach 5 Tagen Safari ging es nach einem letzten early moarning dive mittags wieder zurück an Land. Dort mussten wir uns von Christian, Michaela und Tobi verabschieden. Die drei fuhren mit den übrigen Tauchern im Reisebus nach Jeddah, um am nächsten Morgen nach Hause zu fliegen. Wir checkten für weitere 5 Tage im Al Ahlam Resort ein.

Nach einem Tag ausschlafen und relaxen am Pool, entschieden wir nochmals tauchen zu gehen.

Die Tagesausflüge starten um 7 Uhr morgens. Nach einem kurzen Frühstück im Hotel ging es los. Mit einem kleinen Tauchboot welches mit zwei 250 PS Außenbordmotoren ausgestatten war, „flogen“ wir in einer etwa eineinhalb Stunden dauernden Ausfahrt zum Tauchplatz. Bei den daytrips werden dieselben Tauchplätze angefahren, die auch die Safariboote ansteuern. Nach 3 Tauchgängen erreichten wir nach einer meist ruppigen Rückfahrt zwischen 16 und 17 Uhr wieder unser Hotel. An Bord gab es Getränke und Mittagessen. Sepp entschloss sich noch einen weiteren Tauchtag anzuhängen. Die Highlights der Tagesausflüge waren Weißspitzenriffhaie, Adlerrochen und Schildkröten, sowie ein Hammerhai, als auch große Tümmler.

Leider war auch unsere Zeit bald zu Ende und wir wurden am 07.01.2010 nach dem Mittagessen von einem kleinen Bus abgeholt und auf den gut ausgebauten Straßen nach Jeddah gebracht.

Jeddah ( Dschidda ) mit mehr als 3 Millionen Einwohnern, liegt am Roten Meer und bildet das Tor nach Mekka, das etwa 72 km östlich im Landesinneren liegt. Anders als in Mekka werden in Jeddah immer Besucher aller Religionen empfangen. In der örtlichen Bevölkerung finden sich viele Afrikaner, Perser, Türken, Jemeniten und Inder, von denen die Meisten in der Ölindustrie arbeiten.

Da der Gepäckanhänger unseres Busses ein Rad verlor, trafen wir mit etwa 3 Stunden Verspätung in unserem Hotel Albilad ein, weshalb wir die Altstadt von Jeddah leider nicht mehr besichtigen konnten. Nach einem sehr guten Abendessen und einer Shisha legten wir uns noch kurz aufs Ohr, denn schon um 2 Uhr früh ging es mit dem Taxi weiter zum 20 Minuten entfernten Flughafen. Nach 6,5 Stunden Flugzeit mit Saudi Arabien Airlines hatte uns der kalte Winter Deutschlands wieder.

Es gibt aber auch leider nicht so schöne Erfahrungen zu berichten. Die Tauchbasis fragte keinen der Taucher nach seinem Tauchbrevet und der Anzahl der Tauchgänge und es wurde auch keine Tauchtauglichkeit überprüft. Auf einer der Inseln fanden wir 5 gefinnte Haie. Saudi Arabien gilt nach einigen Recherchen als eine der Hochburgen der Finning Mafia im Roten Meer.

Bei vielen Tauchplätzen waren keine Ankerbojen vorhanden, so dass der Anker einfach ins Riffdach geschleudert wurde, bis er irgendwann einmal hielt. Beim Ablegen musste dieser wieder mit Motorkraft losgerissen werden, was in vielen Fällen eine starke Riffschädigung nach sich gezogen hat.

Der Tauchtourismus in Saudi Arabien ist noch in den Kinderschuhen, aber man muss hoffen, dass hier nicht dieselben Fehler wie in Ägypten gemacht werden und rechtzeitig Ankerbojen in ausreichende Zahl gesetzt werden!!!

Im Nachhinein:
Wir haben selten so wenig Fisch gesehen, wie während dieser Safari. Das betrifft sowohl Großfische, als auch Schwärme von Riffbewohnern, die nach Berichten eigentlich zu erwarten waren.

Auch bei den Nachttauchgängen gab es kaum was an Krebsen, Schnecken und Co. zu sehen. Wir haben gerätselt, woran das liegt:

War unsere Reisezeit einfach falsch?

War das Wasser zu warm? ( wir hatten 28-30 Grad ), das würde das Fehlen der Großfische erklären, aber wo waren die anderen Riffbewohner?

Waren unsere Erwartungen aufgrund der verschiedenen Berichte einfach zu hoch?

Hatten wir einfach Pech?

Ein Reiseteilnehmer, der bereits im Februar einen Urlaub in Saudi Arabien verbracht hatte und auch zu der Zeit an den Farasan Banks getaucht ist, hat eher das Gegenteil berichtet.

Nach seinen Aussagen war er über die Taucherei zum jetzigen Zeitpunkt etwas enttäuscht.

Also scheint die Erklärung nahe zu liegen, dass im Dezember das Wasser noch zu warm ist und die Großfische deshalb eher in der Tiefe bleiben.

So ist es aber nun mal im Leben eines Taucher, im Meer befinden wir uns nicht im Zoo, wo wir nur an den Löwenkäfig gehen müssen, um diese sehen zu können; „that´s nature“!!